Der Schaumwein für große Augen und gute Laune im Glas!

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Lambrusco – Prickelnde Leidenschaft In Rot

Wer kennt es nicht? Man bestellt für einen gewissen Betrag Pizza beim Italiener und bekommt eine Flasche Lambrusco gratis dazu. Damit wird dem roten Schaumwein aus Bella Italia aber leider kein gutes Image verpasst, denn meist ist es zuckrige, günstige Massenwaren – nicht lecker. Lambrusco kann aber richtig lecker!

Dafür sind wir da, wir wollen mit Euch gemeinsam dem unterschätzten Schäumer aus der Emilia-Romagna wieder einen Platz in der Welt der Feinschmecker und Weinconnaisseure verschaffen. 

Wie so oft, findet man bereits ca. 200 Jahre v. Chr. bei den römischen Autoren Cato und später bei Plinius die erste Erwähnung von dieser Traubensorte, die mit Wildrebe übersetzt wurde. Der Legende nach haben die Soldaten sich gerne auf Feldzügen mit den Beeren dieser Rebsorte versorgt, die wild am Wegesrand wuchs. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde Lambrusco wegen der späten Reifung, sie kann bis in den späten November geerntet werden, gerne von Bauern kultiviert, die sich somit erst um das Einbringen ihrer übrigen Feldfrüchte kümmern konnten, bevor sie die Trauben gelesen haben. Das gesammelte Rebgut wurde meist in großen Gemeinschaftsfässern vergoren, wobei sich dann jeder Bauer seinen Anteil in den unterschiedlichsten Flaschen und Gefäßen abfüllte. Darin gärte der Rebsaft meistens weiter, manchmal jedoch blieb die Gärung auch recht schnell stehen, so dass mal ein mehr oder weniger trockener, aber immer leicht prickelnder Wein daraus wurde. Es gibt also eine lange Tradition, Lambrusco in der Flaschengärung herzustellen, der sogenannten Methode Ancestrale, oder auch Petillant Naturelle – in der modernen Weinwelt gerne als PetNat abgekürzt. 

Heute wird Lambrusco hauptsächlich nach zwei Methoden hergestellt. Bei der einfacheren Variante wird der gepresste Most komplett zu einem trockenen Stillwein vergoren und dann gelagert. Hierbei wird meist keine Kühlung benötigt. Zur weiteren Herstellung kommt der Stillwein dann bei Bedarf zusammen mit Mostkonzentrat und Reinzuchthefen in einen Druckbehälter bei 2,5bar, hier findet dann eine weitere Gärung statt und die Kohlensäure entsteht. Ist der gewünschte Restzuckergehalt erreicht, wird die Gärung schließlich mittels Kälteschock gestoppt und der fertige Lambrusco abgefüllt. Für die andere Variante wird der gepresste Most bei 0°C gelagert und die Gärung erst bei Bedarf durch Erhöhung der Temperatur und Zugabe von Reinzuchthefen eingeleitet. Viele, speziell hochwertige Lambrusco werden jedoch auch heutzutage mittels Flaschengärung hergestellt.

 

Produkte von Fangareggi

Wissenswertes

Die meisten Lambrusco kommen aus der Emilia-Romagna. Über 10.000ha Rebfläche werden hier mit den unterschiedlichen Lambrusco Sorten bewirtschaftet. In der DOC Lambrusco di Sorbara, was auch der Name der hier verbreiteten Sorte ist, die geringen Ertrag bringt und eine eher hellere Farbe hat, werden die Lambrusco gerne mit Ancellotta, einer stark gefärbten Rebsorte, vermählt. Südlich von Modena liegt die DOC Lambrusco Grasparossa di Castelvetro, ebenfalls namensgebend für die dort vorherrschende Rebvariante. Sie ist tanninhaltiger, hat eine tief dunkle Farbe und eine dicke Schale. Die DOC Salamino di Santa Croce nördlich von Modena ist der Namenspate für die dort angebaute, sehr ertragreiche Sorte. In den DOC Reggiano und Modena werden unterschiedliche Lambrusco Arten angebaut. Unter anderem findet man hier auch Lambrusco Marani, Lambrusco Maestri und Lambrusco Montericco.

Insgesamt gibt es ca. 60 verschiedene Rebsorten, die unter dem Namen Lambrusco „firmieren“. Allein hieran erkennt man die sagenhafte Vielfalt von Lambrusco. Er kann rot, weiß oder rosé sein; trocken, halbtrocken (amabile) oder süß (dolce) hergestellt werden und entweder als leichter Perlwein (Frizzante), kräftiger Schaumwein (Spumante) oder als Stillwein daherkommen.

Unsere neueste Entdeckung auf dem Lambrusco Markt ist die Vitivinicola Fangareggi aus Correggio, nördlich von Modena. Bereits Anfang des 19ten Jahrhunderts beginnt die Familie Fangareggi mit der Landwitschaft. Der Anbau von Lambrusco war seither Teil dieser Tradition. Doch erst 2013 beginnt Giuseppe Fangareggi mit der Herstellung qualitativ hochwertiger Lambrusco und kauft gezielt Weinberge. Inzwischen sind es 22ha Rebfläche, verteilt auf 5 Gemeinden in 2 Regionen (Modena und Reggio). Seiner tiefen Verbundenheit zur Natur folgend, verzichtet er von Anfang an auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und setzt auf sorgfältige Handarbeit. Alle Reben werden per Hand gelesen und selektiert. Seit 2021 befindet sich die Vitivinicola Fangareggi in der Umstellung zum biozertifizierten Weinanbau.

Bei unserer Verkostung der Probeflaschen hatten wir Alle ein Strahlen in den Augen. Endlich wieder leckerer Lambrusco, der so herrlich rot schäumend im Glas ist und am Gaumen einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt. Die Auswahl aus dem komplexen Portfolio ist uns nicht leichtgefallen. Am Ende haben wir uns für vier Sorten entschieden. 

Vigna Nera

Vigna Nera aus 85% Lambrusco Salamino und 15% Ancellotta. Der dunkelrote Spumante mit violetten Reflexen zaubert beim Eingießen einen pinken Schaum ins Glas. Er hat eindrucksvolle Aromen von roten Früchten, Schwarzkirschen und Heidelbeeren. Mit seiner straffen Tanninstruktur ist er ein idealer Essensbegleiter beim Grillfest und harmoniert auch zum Käse. Als kleinen Servicehinweis möchten wir Euch bei diesem Lambrusco vor weißer Tischwäsche und Kleidung warnen. Denn auch hier hinterlässt der Vigna Nera einen bleibenden Eindruck.

Vigna Rosa

Für etwas Abwechslung, und weil er uns beim Verkosten so viel Freude bereitet hat, haben wir auch den Vigna Rosa in unser Sortiment aufgenommen. Hergestellt aus 85% Lambrusco Sorbara, 10% Fortana und 5% Pinot Nero ist dieser Spumante schon optisch eine Freude. Ein kräftiges Pink mit rosa Schaumentwicklung. Ein echter Hingucker. Er hat deutliche Aromen von Rosenblättern, Himbeerblüten und Kirsche, eine feine Säurestruktur und sanfte Tannine. Unser Fazit zu diesem Lambrusco: Dies ist ein Wein, bei dem die Hand wie ferngesteuert immer wieder zum Glas greift, und ehe man sich versieht, ist die Flasche leer.

Schließlich haben wir noch zwei weiße Schäumer auf die Einkaufsliste gesetzt.

 

Biancospina - weißer Lambrusco

Zum einen den Biancospino – auf Deutsch: Weißdorn. Hergestellt aus 85% weiß gekeltertem Lambrusco di Sorbara, 10% Sauvignon Blanc und 5% Chardonnay, ist es der Prototyp für Easy Drinking. Feine Aromen von gelbem Apfel, Williams Birne und Aprikose und eine luftige Säurestruktur animieren zum Trinken. Dieser Spumante ist das leichte Sommerkleidchen im Glas.


Bragher

Und zu guter Letzt gibt es noch Bragher – auf gut Deutsch: Der Angeber. Mit diesem weißen Schaumwein aus 100% Grechetto Gentile beweist Giuseppe Fangareggi sein Talent für die Herstellung außergewöhnlicher Spumante.

Er hat ein sattes strohgelb und durchdringende Aromen von Papaya. Grünem Apfel und Grapefruit. Hinzu kommen feine Noten von Mandel und Brotkruste. Der Bragher liegt 3 Monate unter ständiger Batonnage auf der Feinhefe, es wird also regelmäßig der Wein im Fass bewegt und der Hefesatz damit aufgerührt. Typischerweise entwickelt sich hierbei eine cremige Textur, die auch im späteren Schaumwein einen schönen Spannungsbogen zu der feinen Perlage bildet. Zum Bragher passen kräftige Fischgerichte oder auch Meeresfrüchtesalat.

 

Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Auswahl für jeden von Euch eine neue, spannende Entdeckung gefunden haben und freuen uns, mit Euch diese herausragenden Lambrusco – und den Angeber, der ja kein Lambrusco ist – zu probieren. Saluti a tutti!

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